Von der „Rollblumenwiese“ zur „Staudenmatte“ – eine Alternative zur Staude im Topf?
Unsere Referentin Cornelia Pacalaj
Cornelia Pacalaj, gelernte Gärtnerin und studierte Pflanzenzüchterin, arbeitet als Versuchsingenieurin am Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau (LVG) in Erfurt und ist mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung eine Expertin für Pflanzenverwendung. Ihre Forschung ist praxisnah angelegt und richtet sich vor allem auf langfristig funktionierende Pflanzkonzepte.
Ihr Spezialgebiet ist die standortgerechte Pflanzenverwendung in urbanen Räumen, ästhetisch ansprechend, funktional, pflegbar und den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen.
Vielen ist sie durch ihre Fachbeiträge und Expertentipps in der Sendung „MDR Garten“ bekannt, wo sie einem breiten Publikum fachliche Zusammenhänge verständlich vermittelt.
Neben ihrer Arbeit am LVG gestaltet und pflegt sie im Weimarer Land einen Gärtnerhof mit vielfältigen Pflanzkonzepten auf engstem Raum, von Staudenpflanzungen über ein Mille-Fleur-Beet und die „Gemischte Stauden-Gehölz-Hecke“ bis zum Nutzgarten in Mischkultur. Im Hof „Hortulano“ in Ulrichshalben setzt sie ein Herzensprojekt um, in dem sie selbst erprobt, wie Theorie und Praxis zusammengeführt werden können, und gibt ihre Erfahrungen gern an Gäste weiter.
Wir freuen uns sehr, dass sie an unserem Stand über artenreiche Begrünungen mit Staudenmatten referieren wird und die Zuhörer zum Dialog zu neuen und bewährten Formen der Pflanzenverwendung einlädt.
Von der „Rollblumenwiese“ zur „Staudenmatte“ – Worum es im Vortrag geht
Am Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau werden schon seit Jahren Versuche zur pflegeleichten und nachhaltigen Anlage von Blühflächen durchgeführt, unter anderem mit „Rollblumenwiesen“, der Ansaat bewährter Blühmischungen aus ein- und mehrjährigen Arten auf einer mit Substrat abgedeckten Hanf-Schafwollmatte. Bereits auf der BUGA 2021 erregten diese „Rollblumenwiesen“ großes Interesse.
Die ursprünglich 0,60 m x 2,50 m großen, aus 50 % Schafwolle und 50 % Hanffasern bestehenden und mit einem mais-basierten Biopolymer stabilisierten Matten wurden, ähnlich wie Rollrasen, vorkultiviert, aufgerollt ausgeliefert und müssen sehr schnell am Zielort verlegt werden. Eine längere Lagerung als Rolle führt schnell zu Fäulnis- und Zersetzungsprozessen und folglich zur Zerstörung der Matte.
Es gilt also, eine anders konfektionierte, sich rasch entwickelnde Vegetationsmatte, möglichst nur mit mehrjährigen Stauden zu entwickeln, die sich häufig ergebende längere Stand- und Lagerzeiten von der Auslieferung bis zur Pflanzung gut übersteht, stabil ist und sich gut verlegen lässt. Deshalb wurden die Matten auf die flachen Staudenkisten 0,60 m x 0,40 m angepasst und hierin angesät. Auf einjährige Arten, die lichtbedürftige Stauden in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können, wurde verzichtet.
Ziel der laufenden Versuche ist es, durch die kombinierte Ansaat von kurzlebigen, sich schnell entwickelnden und langlebigen Stauden mit einer längeren Entwicklungszeit optimale Art-Mengen-Anteile zu ermitteln, um Staudenmatten anbieten zu können, die schnell funktionsfähig und attraktiv sind. Sie sollen sich am Zielstandort mit der für Stauden typischen jahres- und lebenszeitlichen Dynamik entwickeln und einen guten Flächenschluss garantieren. Über die Jahre soll sich ein Gleichgewicht zwischen Arten und Sorten einstellen, das eine pflegeleichte und ganzjährig attraktive Vegetationsfläche, ähnlich einer Staudenmischpflanzung, bietet.
Wie sich eine solche Fläche über die Saison entwickelt, zeigt die praktische Erprobung. Im Vortrag stellt Frau Pacalaj die Ergebnisse vor und ordnet ein, für welche Flächen sich das Verfahren anbietet.